Die Jury hat entschieden. Das Unwort des Jahres ist gekürt. Im Grunde genommen sind es sogar zwei Worte: ‚Alternative Fakten‘. Die Begründung dazu: Es ist der verschleiernde Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen“.

Vordergründig ist klar, wem wir das zu „verdanken“ haben. Erfunden bzw. wirklich in geballter Masse in den Twitterkanal gepufft hat den Begriff Donald Trump. Seines Zeichens präsidialer Twitter-König der Welt und nebenbei noch amerikanischer Präsident.

Die im Alltag gesprochene Kommunikation ist aber immer auch ein Gradmesser dessen, was in der Gesellschaft gerade läuft. Die im Alltag benutzten Worte sind die feinen Fensterscheiben des globalen Zustandes. Denn Alternativ und Fakten passen so gut zusammen wie Kuh und Flugzeug. ‚Alternative Fakten‘ macht so viel Sinn wie „fliegende Kuh“, nämlich keinen.

Der Ausdruck bringt aber die laufenden Widersprüchlichkeiten, die im Moment den Globus wie ein Burglind-Sturm (… wobei der Wortteil „Burg“ ja so überhaupt nicht auf etwas dermaßen Dynamisches wie einen Sturm passt) umwinden. Denn entweder ist etwas eine Alternative oder ein Faktum.

Aber es beginnt ja bereits beim Begriff „UnWORT des Jahres“. Mit ‚Alternativen Fakten‘ werden erstmals zwei Worte zu einem (Un-)Wort gekürt. Ja, entweder küren wir ein Wort oder einen Begriff. Aber ein Wort ankündigen, und dann zwei küren, ist ein Widerspruch.

Oder ein amerikanischer Präsident, der faktisch wohl der mächtigste Mann auf des Erden Runds ist, schaut am Morgen TV und zwanzig Minuten später twittert er das um den Globus. Er bildet sich trotz einem milliardenschweren CIA keine fundierte Meinung, sondern glaubt, was im TV kommt. DAS ist ein sehr großer Widerspruch. Denn somit werden besagte TV-Redakteure klammheimlich zu den mächtigsten Leuten, obwohl sie kein öffentliches Amt haben und demokratisch gewählt schon gar nicht sind.

Aber es geht weiter. Die Globalisierung wächst. Google, Facebook machen die Landesgrenzen zur Nebensächlichkeit, die jedem Geographie-Lehrer den Job kosten könnte. Im gleichen Zeitraum legen sich nationalistische Bewegungen ein schickes Mäntelchen um und übernehmen subtil die Macht.

Ein Unternehmen macht eine Werbekampagne „Lieber Kunde, so viel waren Sie uns noch nie wert“ und streicht gleichzeitig das kundennahe Filialnetz zusammen. Man soll auch verstehen, warum in der aktuellen, demographischen Entwicklung Hundefutter mit dem reduzierten Mehrwert-Steuersatz belegt wird, aber Kindernahrung mit dem vollen? Eine Bildungsreform jagt die nächste, aber die schulischen Leistungen werden immer schlechter.

Es ist wohl schon so, jede Gesellschaft hat das Unwort des Jahres, das es verdient. Aber, das ist die gute Nachricht, jede Gesellschaft hat auch die Möglichkeit, sich selbst weiter zu entwickeln. Ich bin gespannt auf die nächsten Wörter, Unwörter und was ich sonst noch alles so in der S-Bahn und in Diskussionen höre …

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