Wo immer Menschen zwanglos aufeinander treffen, findet Alltagskommunikation statt. Ob das Gespräch mit einem Kollegen auf dem Flur oder der Small Talk beim Einkaufen – alltägliche Beziehungen werden zu einem großen Teil über die Sprache geknüpft, gestaltet und gepflegt.

Im Gegensatz zur austarierten und mit Regeln beseelten Schriftsprache gibt es für die Alltagssprache keine allgemeingültige Definition. Ist doch der Alltag an sich ebenso lebendig und bunt, vielfältig und vielschichtig wie die Kommunikation. Diese geschieht meist spontan aus dem Moment heraus. Tendenziell kommt die Alltagssprache etwas nachlässiger, salopper daher. Der unmittelbar genutzte Wortschatz ist knapper und die Satzlänge kürzer als in der vorbereiteten oder schriftlichen Standardsprache üblich. Dagegen ist die Breite der Emotionen durch die Übernahme der unmittelbaren Stimmung größer als beim kalkulierten Dialog.

Das Milieu als prägender Faktor
Besonders das Milieu ist ein prägender Faktor in der Alltagssprache. Wo findet die Kommunikation statt? Unter Auszubildenden, im Chemie-Forschungslabor, im Wartezimmer beim Arzt, unter Sportsfreunden? Mit ihren oft versteckten Codes schaffen Milieufaktoren eine Aura der Zugehörigkeit. Im Geschäftsalltag gibt es solche Gruppen mit ihren Milieusprachen zuhauf. Verkäufer, Manager, Hausmeister, Controller und IT-Spezialisten haben sie.

Die Rolle als etablierendes Element
Die Sprache variiert je nachdem mit welchen Personen wir im Dialog stehen, also welche Rolle wir gerade einnehmen. Bei einem Gespräch mit den Eltern ist die Rollenverteilung ebenso klar wie bei der Unterhaltung mit dem Chef. Aus geregelten Rollenmustern heraus entstehen Alltagsdialoge sehr schnell. Manchmal sind die Rollen aber auch noch unklar oder müssen sich erst entwickeln. Als Neuling auf einer Party, stellen sich die Fragen: Wer ist wer? Welche Rolle ist mir zugedacht? Bin ich „der Freund des Gastgebers“, „der ruhige Nachbar“ oder „derjenige, der Stimmung mitbringt“?

Die Präsenz als Paradedisziplin
Die Präsenz ist in jedem Dialog die Paradedisziplin, auch und ganz besonders in der Alltagssprache. Präsent sein bedeutet, sich auf den Moment zu konzentrieren, den Small-Talk-Partner ernst zu nehmen, sich für die angesprochenen Probleme des Kollegen wirklich zu interessieren. Wer in seiner individuellen Persönlichkeit offen auf den Gesprächspartner eingeht, wirkt glaubhaft und überzeugend.
Überhaupt ist unsere Alltagssprache kein statisches Kommunikationsmittel, sondern ein sehr flexibles Verständigungsmedium. Es passt sich permanent an – oft ohne dass wir es merken – und verändert sich daher im Laufe der Zeit immer wieder.

Eine entscheidende Rolle bei der Veränderung des Sprachgebrauchs spielt der gesellschaftliche und technische Wandel. Wörter sterben aus und andere werden erfunden bzw. gebildet. Nicht zuletzt durch die Globalisierung werden immer mehr – aber keinesfalls immer notwendige – Anglizismen in die deutsche Sprache übernommen. Es wird hemmungslos geradebrecht, Alltägliches aufgemotzt, Halbwahrheiten kaschiert, Unklares verschlüsselt. Kein Wunder, dass dies nicht immer der besseren Verständigung dient, sondern manchmal eher einem babylonischen Sprachengewirr ähnelt.

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